Was Teams stark macht - Motivation in der gynäkologischen Praxis

07.08.2026
Praxismanagement

Puh, schon wieder Montag... Wenn Ihr Team schon zum Wochenstart aufs Wochenende schaut, steckt oft mehr dahinter als schlechte Laune – nämlich ein Motivationsproblem.

Das Markt- & Meinungsforschungsinstitut Gallup schreibt zu diesem Thema, dass 77 % der Beschäftigten in Deutschland nur noch Dienst nach Vorschrift machen. 13 % haben innerlich gekündigt. Nur magere 10 % der Beschäftigten haben noch eine hohe Bindung an ihren Arbeitgeber – gemessen über alle Branchen hinweg.1

Wie schaffen Sie es als Praxisleitung, dass Ihr Team (wieder) gerne zur Arbeit kommt? Und was können Sie ganz konkret tun, um die Motivation in Ihrer gynäkologischen Praxis zu stärken?

Klar ist: Motivation entsteht nicht durch einen Obstkorb im Pausenraum. Sie entsteht dort, wo Menschen erleben: Ich gehöre dazu. Ich weiß, was von mir erwartet wird. Meine Arbeit zählt. Und ich werde für Tätigkeiten eingesetzt, in denen ich meine Stärken nutzen kann. Genau hier setzt Führung an – und genau hier haben Sie als Praxisleitung den größten Hebel.

Wer sich wohlfühlt, ist motivierter

Menschen haben nicht nur körperliche Grundbedürfnisse wie Hunger, Durst oder Schlaf, sondern auch psychologische Bedürfnisse, die unser Wohlbefinden am Arbeitsplatz prägen. Ein bekanntes und bewährtes Modell dafür ist die Bedürfnispyramide des Psychologen Abraham Maslow.2 Sie beschreibt fünf Ebenen: physiologische Bedürfnisse, Sicherheit, Zugehörigkeit, Wertschätzung und Selbstverwirklichung. Sind diese Ebenen im Arbeitsalltag erfüllt, können Mitarbeiterinnen aufblühen – und das wirkt sich direkt auf ihre Motivation aus.

Was in der Theorie nach fünf Stockwerken klingt, lässt sich im Praxisalltag ganz konkret herunterbrechen. Und an jeder dieser fünf Ebenen haben Sie als Praxisleitung einen direkten Hebel.

1. Physiologische Bedürfnisse: Ist an die Grundversorgung gedacht?

An erster Stelle stehen die einfachsten Bedürfnisse: genug trinken, in Ruhe etwas essen, kurz durchatmen können. Klingt banal, wird im turbulenten Praxisalltag aber schnell übersehen. Wenn eine MFA von 8 bis 13 Uhr durchgehend am Empfang steht, ohne einen Schluck zu trinken, wirkt sich das über kurz oder lang auf Konzentration und Stimmung aus.

Was können Sie als Praxisleitung tun?

Sorgen Sie für eine Dienstplanung, die Pausen tatsächlich ermöglicht – nicht nur auf dem Papier. Stellen Sie Wasser und eine Kleinigkeit zum Essen bereit. Und gehen Sie mit gutem Beispiel voran, indem Sie selbst sichtbar eine Pause machen, statt „keine Zeit" zum Statussymbol zu erklären.

2. Sicherheit: Wissen alle, was sie erwartet?

Unklare Abläufe erzeugen Stress und untergraben das Sicherheitsgefühl im Team. Als Praxisleitung können Sie hier viel bewirken, indem Sie Aufgaben, Standards und Prioritäten sichtbar machen. Dazu gehören klare Dienstpläne, definierte Zuständigkeiten und einfache Regeln für Stresssituationen.

Beispiel: Montags ist in der Praxis besonders viel los, weil viele Schwangere zur Kontrolle kommen. Legen Sie deshalb gemeinsam mit dem Team fest: Eine MFA bleibt bis 10 Uhr ausschließlich am Telefon, eine übernimmt Labor und Urinproben, eine bereitet die Untersuchungszimmer vor. Akutfälle werden nach einem transparenten Plan eingeschoben. So entsteht weniger Chaos – und mehr Sicherheit für alle.

Was können Sie als Praxisleitung tun?

Machen Sie Erwartungen und Zuständigkeiten schriftlich und für alle sichtbar. Kündigen Sie Änderungen frühzeitig an. Und laden Sie Ihr Team aktiv dazu ein, Rückfragen zu stellen, statt Unklarheiten stillschweigend hinzunehmen.

3. Zugehörigkeit: Wie entsteht Verbundenheit im Team?

Verbundenheit entsteht nicht nur beim Sommerfest, sondern im Alltag. Als Praxisleitung geben Sie psychologische Sicherheit, indem Sie zum Beispiel in schwierigen Situationen hinter Ihrem Team stehen, für transparente Kommunikation sorgen oder auch mal ein offenes Ohr für private Sorgen haben.

Indikatoren dafür, dass sich Ihr Team zugehörig fühlt, sind diese Faktoren:

  • Man fragt nach meinem Leben.

  • Man kennt meine Schwierigkeiten.

  • Man erinnert sich an mich.

  • Man vermisst mich.

  • Man erkundigt sich nach mir.

Was können Sie als Praxisleitung tun?

Nehmen Sie sich bewusst Zeit für kurze, persönliche Gespräche – auch außerhalb von Mitarbeitergesprächen. Merken Sie sich private Details, fragen Sie nach, wenn jemand krank oder im Urlaub war. Kleine Gesten wirken oft mehr als große Team-Events.

4. Wertschätzung: Werden alle gesehen und gewürdigt?

In vielen Praxen fällt gute, zuverlässige Arbeit zu selten auf, Fehler dagegen sofort. Wertschätzung ist deshalb kein weiches Extra, sondern ein entscheidender Hebel für Motivation. Achten Sie nicht nur auf das Offensichtliche, sondern auch auf die „unsichtbare Arbeit": die beruhigte Patientin vor der Kolposkopie, die sauber vorbereitete Vorsorge, das deeskalierte Telefonat.

Ein Beispiel aus der Praxis: Eine Patientin ist nach einem auffälligen PAP-Befund stark verunsichert. Eine MFA nimmt sich einige Minuten Zeit und erklärt ruhig den weiteren Ablauf. Sie sorgt dafür, dass die Patientin nicht mit Panik nach Hause geht. Sagen Sie in der nächsten Teambesprechung konkret: „Das war wichtig. Sie haben der Patientin Sicherheit gegeben." Dieses konkrete Lob wirkt stärker als ein allgemeines „Gut gemacht" und zahlt direkt auf den Selbstwert Ihrer Mitarbeiterin ein.

Was können Sie als Praxisleitung tun?

Geben Sie regelmäßig Feedback – auch unaufgefordert und außerhalb der jährlichen Mitarbeitergespräche. Loben Sie konkret statt pauschal. Und sprechen Sie nicht nur Fehler an, sondern ebenso bewusst das, was gut läuft.

5. Selbstverwirklichung: Werden Stärken genutzt?

Nicht jede MFA hat dieselben Stärken. Manche arbeiten gern strukturiert im Labor, andere sind stark am Empfang, wieder andere blühen bei Beratungsgesprächen auf. Motivation steigt, wenn Sie Aufgaben nicht nur nach Lücke, sondern auch nach Fähigkeit verteilen.

Indikatoren dafür, dass Mitarbeiterinnen ihre Stärken einbringen können, sind diese Faktoren:

  • Man nutzt meine persönlichen Stärken.

  • Man fragt nach meiner Meinung.

  • Man gibt mir Verantwortung.

  • Man verlässt sich auf mich.

Was können Sie als Praxisleitung tun?

Nehmen Sie sich Zeit, die individuellen Stärken im Team zu erkennen – etwa im persönlichen Gespräch oder im Teammeeting. Fragen Sie aktiv nach Meinungen und übertragen Sie Verantwortung. Und ermöglichen Sie Weiterentwicklung, etwa durch Fortbildungen oder neue Aufgabenbereiche.

Motivation ist Führungsaufgabe

Eine gynäkologische Praxis ist ein sensibles Arbeitsumfeld. Patientinnen kommen mit Freude, Sorgen, Scham, Schmerzen oder Angst. Damit Ihre MFAs diese emotionale Arbeit gut leisten können, brauchen sie selbst ein stabiles Arbeitsumfeld. Genau dafür schaffen Sie als Praxisleitung den Rahmen: klare Abläufe, echte Wertschätzung, faire Aufgabenverteilung und ein Teamklima, in dem sich alle sicher fühlen.

Motivation ist deshalb weniger die Frage: „Wie bringe ich jemanden dazu, mehr zu leisten?" Sondern eher: „Was braucht diese Mitarbeiterin, um ihre Arbeit gut, sicher und mit Sinn zu tun?" Wer sich als Führungskraft diese Frage regelmäßig stellt, ist bereits auf dem richtigen Weg.

5 Impulse für Ihren Führungsalltag

Kurze Verschnaufpause ermöglichen
Nach einem schwierigen Telefonat oder Patientinnenkontakt braucht es oft nur einen Moment: kurz durchatmen, etwas trinken, die Schultern lockern. Sorgen Sie organisatorisch dafür, dass dieser Moment möglich ist, bevor die nächste Patientin aufgerufen wird.

Kurze Feedback-Runden einführen
Führen Sie regelmäßige, kurze Reflexionsrunden ein, zum Beispiel am Ende der Woche: Was lief gut? Was können wir nächste Woche anders machen? Das schärft den Blick fürs Positive – bei Ihnen und im Team.

Aufgaben-Tausch auf Probe ermöglichen
Lassen Sie zwei Kolleginnen für eine Stunde oder einen Tag bewusst ihre Aufgaben tauschen, etwa Telefon und Labor. Das schafft gegenseitiges Verständnis und macht neue Stärken sichtbar.

Geschützte Zeitblöcke einrichten
Vereinbaren Sie für konzentrierte Aufgaben wie Laborrückrufe oder Abrechnungen feste Zeitblöcke, in denen nur echte Notfälle unterbrechen – und sorgen Sie organisatorisch dafür, dass diese auch eingehalten werden.

Motto des Monats gemeinsam entwickeln
Entwickeln Sie gemeinsam mit dem Team ein entlastendes Motto, zum Beispiel: „Wir arbeiten Dinge nacheinander ab, nicht alles gleichzeitig." Hängen Sie es sichtbar im Pausenraum auf.

Quellen

1) Gallup Engagement Index für Deutschland (GEID) 2025, erschienen im März 2026

2) Maslow AH. A theory of human motivation. Psychological Review, 1943;50(4):370-396. doi:10.1037/h0054346.