Qualifizierung – Schlüssel zur Mitarbeiterbindung
30.09.2025
Praxismanagement
Gehalt allein reicht nicht aus
Monetäre Anreize – das wissen wir – sind kurzfristig motivierend. Auf lange Sicht zählen jedoch andere Faktoren, um Mitarbeitende zu begeistern. Wertschätzung ist ein entscheidender Aspekt. Diese wird häufig mit Feedback oder Lob verwechselt. Es ist wichtig, dieses kleine Missverständnis aufzuklären. Denn bei genauer Betrachtung umfasst Wertschätzung deutlich mehr als ein „gut gemacht“. Aufmerksamkeit und die Förderung des Teamgeists gehören dazu. Auch Empathie oder das Feiern von Erfolgen.
Letztendlich möchten Menschen jedoch auch in ihren Kompetenzen gefördert werden. Daher sind zum Beispiel „Einbindung in Entscheidungen“, „um Rat fragen“ oder „Weiterbildung ermöglichen“ wichtige Signale eines wertschätzenden Umgangs.
Gerade die professionelle Entwicklung von Stärken hat hohes Motivationspotenzial. Die Ausbildung zur Praxismanagerin für ein oder zwei Top-Kräfte Ihres Teams bietet eine interessante Win-Win-Lösung.
Bindeglied zwischen Team und Praxisleitung
Die Geschwindigkeit der Änderungen, neue gesetzliche oder digitale Anforderungen, eine höhere Komplexität in der Versorgung und nicht zuletzt die häufig kooperativen Strukturen in den Praxen sprechen für den Einsatz einer fachlich gut ausgebildeten Person. Schließlich sorgt eine Praxismanagerin für die Verbesserung von Praxisabläufen, Wissensmanagement und Kommunikation. So trägt sie aktiv zur Entlastung ärztlicher Ressourcen bei und agiert als Bindeglied zwischen Team und Praxisleitung.
Das Gute: Die Position ist auch für Teilzeitkräfte händelbar. Job-Sharing wäre ein passendes Modell. Je nach Interesse und Kompetenz kümmert sich eine Person eher um die Prozesse, die andere eher um Personalfragen. Alternativ ließen sich die Aufgaben – bei guter Übergabe – auch in Gänze auf verschiedene Köpfe verteilen.
Übernahme der Kurskosten bis zu 100 %1
Die Ausbildung zur Praxismanagerin kann berufsbegleitend, z. B. über einen Fernlehrgang, absolviert werden. Der Clou: Ist der Bildungsträger akkreditiert, kann die Praxis einen Förderantrag bei der Arbeitsagentur stellen. Nach Qualifizierungschancen-Gesetz werden die Kurskosten bei Praxen bis 50 Mitarbeitende bis zu 100 Prozent übernommen. Voraussetzung für die Förderung:
- Der Qualifizierungsbedarf der Mitarbeiterin muss strukturwandelbedingt sein (Arztpraxen unterliegen einem permanenten Wandel)
- Die Veränderungen müssen mindestens 20 % der Beschäftigten der Praxis betreffen
- Die Mitarbeiterin hat während der letzten vier Jahre keine andere Förderung in Form von Qualifizierungsgeld erhalten
- Die Weiterbildung muss mehr als 120 Zeitstunden umfassen
- Sie als Arbeitgeber finanzieren die Weiterbildung
Für wie viele Mitarbeiterinnen die Förderung beantragt wird, bleibt der Praxisleitung überlassen. Grundsätzlich gilt das Gesetz für alle Mitarbeitenden und kann für mehrere Personen gleichzeitig in Anspruch genommen werden. Hierfür gibt es einen Sammelantrag.
Team-Dynamik beachten
Um Akzeptanz im Team zu erhalten, sollte eine Praxismanagerin – neben der Eigenmotivation sich fortzubilden – auch Berufserfahrung mitbringen. In der Regel sind MFAs oder Arzthelferinnen in dieser Weiterqualifizierung zwischen 30 und 50 Jahre alt. Doch auch jüngere Kräfte kommen in Frage. Wer nach der Realschule ins Berufsleben gestartet ist, bringt mit Mitte 20 schon acht oder mehr Berufsjahre mit. Daher ist neben dem Alter vor allem die Persönlichkeit entscheidend.
Selbstbewusstsein, Durchsetzungsvermögen und diplomatisches Geschick sind unerlässlich. Zwar steht unter anderem Teamleitung auf dem Lehrplan. Dennoch sind gute kommunikative Grundlagen hilfreich. Denn häufig menschelt es in den Praxen und Prozesse laufen aufgrund interner Reibungspunkte nicht optimal.
Themen, von denen alle profitieren
Praxismarketing, Qualitätsmanagement, Abrechnung, Arbeitsrecht, Praxis-BWL – die Themenfelder der Ausbildung sind ebenso vielfältig wie praxisnah. Die Ausbildung einer Praxismanagerin ist daher ein echter Gewinn – für die Praxis und für die MFA persönlich.
Mehr Infos zur Qualifizierungsförderung gibt es zum Beispiel hier.
Tipp: Der Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur ist unter Telefonnummer 0800 – 4 5555 20 erreichbar. Hier kann der Bildungsgutschein beantragt werden. Die Ansprechperson sendet alle Unterlagen zur Beantragung des Bildungsgutscheins zu. Allerdings kann die Bearbeitung des Antrags bei der Arbeitsagentur mehrere Wochen dauern. Daher sollte der Arbeitgeberservice frühzeitig vor dem Beginn des Fernlehrgangs kontaktiert werden.
