Das folgende Beispiel begleitet den Prozess: Eine Ärztin möchte mit einer MFA zwei unvollständige Rückrufeinträge besprechen. Der Ablauf zur Dokumentation war im Team bereits vereinbart. Die Ursache der fehlenden Angaben ist noch offen.
1. Vorbereiten:
Beobachtung und Ziel klären Wählen Sie einen konkreten Anlass. Trennen Sie eigene Beobachtungen, Berichte anderer und Ihre Deutung. Prüfen Sie, ob die Erwartung bekannt und unter den gegebenen Bedingungen erfüllbar war, und auch Ihren eigenen Anteil: Waren Auftrag, Priorität und Zuständigkeit eindeutig? Sind Sie ruhig genug, um zuzuhören? Entscheiden Sie, ob Sie hilfreiches Verhalten stärken oder eine Veränderung erreichen möchten. Bei ungeklärten Berichten zunächst den Sachverhalt klären, nicht bereits ein Fehlverhalten feststellen.
„Ich möchte klären, warum die Angaben fehlen und wie wir die Rückrufliste künftig verlässlich führen.“
2. Rahmen schaffen und Anliegen offen nennen
Sprechen Sie zeitnah, aber nicht im Affekt. Wählen Sie bei korrigierendem oder sensiblem Feedback einen geschützten Rahmen, nicht den Empfangsbereich oder das Behandlungszimmer mit Publikum. Benennen Sie Thema und Zweck. Passt es gerade nicht, vereinbaren Sie einen konkreten Zeitpunkt; ob ein notwendiges Führungsgespräch stattfindet, steht aber nicht zur Wahl. Als Kollegin oder Kollege ohne Führungsverantwortung bitten Sie um einen gemeinsamen Austausch.
„Frau Berger, ich möchte die Rückrufliste von gestern mit Ihnen besprechen. Mir geht es darum, die Übergabe verlässlich zu organisieren. Können wir nach der Sprechstunde kurz ungestört sprechen?“
3. Beobachtung benennen – ohne Personenurteil
Beschreiben Sie die konkrete Situation und das beobachtete Verhalten oder Ergebnis. Vermeiden Sie „immer“, „nie“, Persönlichkeitsurteile und unterstellte Absichten. Auch „Ich finde, Sie sind unzuverlässig“ bleibt trotz Ich-Form ein Personenurteil. Bei einem Arbeitsergebnis ist noch nicht automatisch geklärt, wer welche Ursache gesetzt hat.
„In den beiden Einträgen von gestern fehlten um 16 Uhr der Bearbeitungsstand und die zuständige Person. Nach unserer Vereinbarung sollen beide Angaben bei der Übergabe erkennbar sein.“
4. Wirkung erläutern – sachlich und angemessen
Nennen Sie eine tatsächlich beobachtete Folge und kennzeichnen Sie persönliche Wahrnehmungen als solche. Ein mögliches Risiko benennen Sie ausdrücklich als Risiko, nicht als bereits eingetretenen Schaden. Dramatisieren Sie nicht, um der Rückmeldung mehr Gewicht zu geben.
„Ich konnte aus der Liste nicht erkennen, ob die Rückrufe bereits erledigt waren, und musste im Team nachfragen.“