Hyperandrogenämie – zentrales klinisches Merkmal des PMOS

06.07.2026
Kontrazeption, Kinderwunsch

Hinweis: Dieser Beitrag ist vor der Umbenennung von PCOS in PMOS entstanden. Was es mit der Anpassung auf sich hat, lesen Sie hier.

Die Hyperandrogenämie ist laut Dr. med. Christoph Keck neben Zyklusstörungen und polyzystischer Ovarmorphologie das zentrale Leitsymptom des polyzystischen Ovarialsyndroms (PCOS): „Bis zu 12 % der Frauen im reproduktiven Alter1 leiden an PCOS, davon zeigen 60-80 % eine biochemisch nachweisbare Hyperandrogenämie“. Während der Hyperandrogenismus mit den typischen Symptomen Hirsutismus, Alopezie und Akne durch eine gezielte Anamnese zu diagnostizieren ist, erfolgt der Nachweis einer Hyperandrogenämie durch erhöhte Androgenspiegel im Blut – oder einfach ausgedrückt: „Hyperandrogenismus sehen wir, Hyperandrogenämie messen wir“, führt Keck weiter aus. Gynäkologen sollten im Praxisalltag beachten, dass Patientinnen mit Androgenspiegeln, die leicht oder moderat über dem Normwert liegen, nicht unbedingt klinische Symptome aufweisen müssen. Umgekehrt könne ein Hyperandrogenismus trotz normaler Androgenwerte auftreten – dies aufgrund einer höheren Hormonsensitivität. Differentialdiagnostisch abzuklären sind die idiopathischen Formen einer Hyperandrogenämie sowie eines Hyperandrogenismus ebenso wie die adrenale Hyperplasie. Je nach phänotypischer Ausprägung ist auch ein Cushing-Syndrom oder eine medikamentös bedingte Hyperandrogenämie auszuschließen.

Laborwerte nicht isoliert betrachten

Gemäß den aktuellen Leitlinien werden bei Verdacht auf eine Hyperandrogenämie bzw. in der Differentialdiagnostik zum laborchemischen Nachweis vorzugsweise Gesamttestosteron, Sexualhormonbindendes Globulin (SHBG), Freier Androgenindex (FAI) sowie Androstendion und Dehydroepiandrosteron-Sulfat (DHEAS) herangezogen. Keck weist darauf hin, diese Laborwerte nie isoliert zu betrachten, sondern die geforderten Parameter in einer Blutabnahme zu bestimmen und „keine Salamitaktik anzuwenden“.

Hyperandrogenämie und Verdacht auf adrenalen Enzymdefekt

Bei Verdacht auf eine renale Hyperandrogenämie bzw. adrenale Enzymstörung spielt die Bestimmung des 17α-Hydroxy-Progesterons (17-OHP) eine zentrale Rolle. Pathophysiologisch kommt es im Stoffwechselweg vom Cholesterin zum Cortisol durch einen Mangel der 21-Hydroxylase zu einem Aufstau des 17-OHP und schließlich zu einer exzessiven Produktion von Androgenen. Basal erhöhtes 17-OHP über 2 ng/ml interpretiert Keck als auffällig – ab diesem Wert ist ein ACTH-Stimulationstest indiziert. Bei Werten über 10 ng/ml liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits ein 21-Hydroxylase-Defekt vor, Werte über 20 ng/ml deuten auf ein androgenitales Syndrom (AGS) hin, berichtet Keck. Liegen die 17-OHPWerte nach erfolgtem ACTH-Test über 15 ng/ml, ist die Wahrscheinlichkeit eines 21-Hydroxylase-Defekts hoch, welcher molekulargenetisch abgeklärt werden sollte. In der Deutung von Laborwerten empfiehlt Keck einen Cut-Off-Wert zu definieren, denn: „Je näher die Messwerte an den Referenzbereich der Basisbestimmung bzw. nach ACTH-Test kommen, desto unwahrscheinlicher ist das Vorliegen einer adrenalen Störung.

Behandlungsoptionen bei PCOS/Hyperandrogenismus

Die klinischen Anzeichen eines Hyperandrogenismus – Hirsutismus, Alopezie, Akne – manifestieren sich mit unterschiedlicher Ausprägung. Dabei erfolgt die Beurteilung des Hirsutismus anhand des modifizierten Ferriman-Gallwey-Scores, der Schweregrad einer Alopezie wird nach dem Ludwig-Score eingestuft.2 Gemäß einer leitliniengerechten medikamentösen Therapie kann bei Frauen mit PCOS unabhängig vom BMI zur Behandlung eines Hyperandrogenismus bzw. einer Hyperandrogenämie Metformin (Off label) eingesetzt werden.2 „Vor allem bei Patientinnen, die kategorisch gegen die Pille sind, ist Metformin in entsprechender Dosierung eine gute Therapieoption, auch wenn die antiandrogene Wirkung nicht so ausgeprägt ist wie mit einem kombinierten oralen Kontrazeptivum“, teilt Keck seine Praxiserfahrung.

Systemische Behandlung mit KOK

Bei Frauen mit PCOS im reproduktiven Alter ohne Kinderwunsch sind kombinierte orale Kontrazeptiva (KOK) die Therapie der Wahl zur Senkung erhöhter Androgenspiegel sowie zur Behandlung klinischer Symptome wie Hirsutismus, unregelmäßige Blutungen und zum Schutz des Endometriums.2 „Wirksam ist hier nicht nur der antiandrogen wirksame Gestagenanteil, sondern auch der durch das Ethinylestradiol (EE) getriggerte positive Effekt auf den SHBG-Spiegel“, unterstreicht Keck und fügt hinzu: „Natürliche Östrogene wirken in diesem Zusammenhang nicht so effektiv.“ Zu den Gestagenen mit antiandrogener Partialwirkung zählen vor allem Drospirenon und Dienogest, die bislang ohne spezifische Zulassung bei PCOS mit Hirsutismus eingesetzt wurden, so Keck.

Erste in Deutschland zugelassene Behandlung von Hirsutismus bei PCOS

Kelzy® kombiniert DNG (2 mg) mit niedrig dosiertem EE (0,02 mg) und ist sowohl zur Kontrazeption als auch zur Behandlung von Hirsutismus bei PCOS zugelassen. Die Formulierung liegt als Retardtablette vor, die systemische hormonelle Schwankungen reduziert.*,3 Kelzy® bietet zudem ein 24-Stunden-Sicherheitsfenster und eine hohe Zyklusstabilität.4 Die Wirksamkeit bei PCOS-bedingtem Hirsutismus wurde in einer doppelblinden, placebokontrollierten, prospektiven Studie belegt.5 Eingeschlossen wurden 305 nicht schwangere Frauen im Alter von 14 bis 40 Jahren mit einem Body-Mass-Index (BMI) <35 kg/m². Alle Teilnehmerinnen zeigten einen klinischen Hyperandrogenismus in Form eines Hirsutismus bei PCOS. Die Frauen nahmen über einen Zeitraum von bis zu 9 Zyklen entweder die Retardformulierung Kelzy® (DNG 2 mg/EE 0,02 mg) im 24/4-Schema mit verzögerter Freisetzung oder Placebo ein. Keck präsentiert die wichtigsten Ergebnisse: Innerhalb von 9 Monaten erreichten die Serumspiegel des freien Testosterons bei rund zwei Drittel der Patientinnen Werte im Normbereich (<15 pmol/L). Auch die mittleren Werte von FAI, Androstendion, 17-OHP, DHEAS sowie SHBG verbesserten sich signifikant. In der Placebogruppe ergaben sich keine relevanten Veränderungen. Parallel reduzierte retardiertes DNG/EE (2 mg/0,02 mg) den Hirsutismus signifikant gegenüber Placebo – unabhängig vom BMI. In der DNG/EE-Gruppe sank der mittlere angepasste mFG-Score von Studienbeginn bis Zyklus 9/vorzeitige Beendigung um durchschnittlich 3,8 Punkte versus 1,5 Punkte bei Placebo (mittlere Differenz: –2,24 ± 0,49; 98,75 %-Konfidenzintervall: –∞ bis –1,14; p<0,0001). Bei 62,5 % (20/32) der Frauen mit moderatem Hirsutismus führte die Retardtablette zu einer Verbesserung auf den milden Schweregrad. Darüber hinaus verbesserten sich sowohl das Blutungsmuster als auch die gesundheitsbezogene Lebensqualität, während die Stoffwechselparameter stabil blieben.5

Take Home Messages
  • Für eine gesicherte Diagnose einer Hyperandrogenämie: Laborwerte nie isoliert betrachten.

  • Bei auffälligen 17α-Hydroxy-Progesteron-Werten ab 2 ng/ml ist ein ACTH-Stimulationstest indiziert.

  • Als systemische Therapieoptionen werden kombinierte orale Kontrazeptiva mit antiandrogener Partialwirkung eingesetzt.

  • Die Retardtablette Kelzy® ist das einzige Präparat, dass die Zulassung zur Kontrazeption als auch die Zulassung zur Behandlung des Hirsutismus bei PCOS erhalten hat.5

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Pflichtangaben

Kelzy 2 mg/0,02 mg Retardtabletten
Wirkstoffe: Dienogest/Ethinylestradiol Zus.: Weiße Retardtabl.: Jede Tabl. enth. 2 mg Dienogest u. 0,02 mg Ethinylestradiol. Grüne Placebo-Tabl.: Die Tabl. enth. keine Wirkstoffe. Sonst. Bestandt. m. bekannter Wirkung: Jede weiße wirkstoffhaltige Retardtabl. enth. 19 mg Lactose (als Lactose-Monohydrat). Jede grüne Placebo-Tabl. enth. 56mg Lactose (als Lactose-Monohydrat). Sonst. Bestandt.: Weiße (wirkstoffhaltige) Retardtabl.: Lactose-Monohydrat, Hypromellose (E 464), Povidon K30, Magnesiumstearat (Ph.Eur.) [pfl.], wasserfr. kolloidales Siliciumdioxid. Filmüberzug: Polyvinylalkohol (teilhydrolisiert), Titandioxid (E 171), Macrogol 3350, Talkum, Macrogol 400. Grüne Tabl. (Placebo): Lactose-Monohydrat, Maisstärke, Povidon K30, Hochdisperses Siliciumdioxid, Magnesiumstearat (Ph.Eur.) [pfl.]. Filmüberzug: Hypromellose, Triacetin, Polysorbat 80, Titandioxid (E 171), Indigocarmin-Aluminiumsalz (E 132), Eisen(III)-hydroxid-oxid × H2O Anwend.: Orale hormon. Kontrazeption u. Behandl. v. Hirsutismus bei Fr. m. PCOS. Bei d. Entscheidung, Kelzy zu verschreiben, sollten die aktuel., indiv. Risikofakt. d. einzelnen Frauen, insbes. i. Hinblick auf ven. Thromboembolien (VTE), berücksichtigt werden. Auch sollte das Risiko f. eine VTE bei Anwend. v. Kelzy m. dem anderer komb. hormon. Kontrazept. (KHK) vergl. werden. Gegenanz.: Überempf. gg. die Wirkst. od. gg. einen d. genannten sonst. Bestandt. Vorliegen einer od. Risiko f. eine VTE, VTE – besteh. VTE (u. Therapie m. Antikoagulanzien) od. VTE i. d. Vorgeschichte (z. B. tiefe Venenthrombose [TVT] od. Lungenembolie [LE]), bek. erbl. od. erworb. Prädispos. f. eine VTE, wie z. B. APC-Resistenz (einschl. Faktor-V-Leiden), Antithrombin-III-Mangel, Protein-C-Mangel od. Protein-S-Mangel, gr. Operationen m. läng. Immobil., hohes Risiko f. eine VTE aufgru. mehrerer Risikofakt. Vorliegen einer od. Risiko f. eine arter. Thromboembolie (ATE), ATE – besteh. ATE, ATE i. d. Vorgeschichte (z. B. Myokardinfarkt) od. Erkr. i. Prodromalstad. (z. B. Angina pectoris), Zerebrovaskuläre Erkr. – besteh. Schlaganfall, Schlaganfall i. d. Vorgeschichte od. prodromale Erkr. (z. B. transitorische ischäm. Attacke [TIA]) i. d. Vorgeschichte, bek. erbl. od. erworb. Prädispos. f. eine ATE, wie z. B. Hyperhomocysteinämie u. Antiphospholipid-Antikörper (Anticardiolipin-Antikörper, Lupusantikoagulans), Migräne m. fok. neurol. Sympt. i. d. Vorgeschichte, hohes Risiko f. eine ATE aufgru. mehrerer Risikofakt. od. eines schwerw. Risikofakt. wie: -Diabetes mellit. m. Gefäßschäd., -Schw. Hyperton., -Schw. Dyslipoproteinämie, Besteh. od. vorausgeg. schw. Lebererkr., sol. sich die Leberfunktionswerte nicht wieder normal. haben, besteh. od. vorausgeg. (benigne od. maligne) Lebertumoren, bek., durch Sexualsteroide beeinfl. maligne Erkr. (z. B. d. Geschlechtsorgane od. d. Mamma) od. d. Verdacht darauf, nicht abgekl. vaginale Blutungen. Kelzy ist kontraindiziert f. die gleichz. Anwend. m. Arzneim., d. Ombitasvir/Paritaprevir/ Ritonavir, Dasabuvir, Glecaprevir/Pibrentasvir u. Sofosbuvir/Velpatasvir/Voxilaprevir enth. Nebenw.: Häufig: Vaginalinfekt., Libidostör., Stimmungsschwank., Kopfschm., Übelkeit, Abdominalschm., Akne, intermenstr. Blutung, Brustbeschw., Dysmenorrhoe, Gewichtszun., Thyreotropin i. Blut erh. Gelegentl.: Harnwegsinfekt., Hypothyreose, Appetitstör., Flüssigkeitsret., Hyperglykämie, Insulinresist., Angst, Depression, Schlafstör., psychische Stör., Migräne, Schwindelgefühl, thrombotische Ereig., Hyperton., Hitzewall., Erbrechen, Diarrhoe, Flatulenz, aufgetr. Bauch, Alopezie, Pruritus, Dermatitis, Hyperhidrosis, Ausschlag, tr. Haut, Hauterkr., Schm. i. d. Extremitäten, Amenorrhoe, Menstruationsstör., vagin. Blutungen, Ovarialzysten, vulvovagin. Trockenh., Beckenschm., vulvovagin. Pruritus, Zervixdysplasie, Dyspareunia, vagin. Ausfluss, vulvovagin. Entz., Erschöpf., Schwellung, peripher. Ödeme, Triglyceride im Bl. erh., Kreatinphosphokinase i. Bl. erh., Cholesterin i. Bl. erh., Laktatdehydrog. i. Bl. erh., Prolaktin i. Bl. erh. Selten: Genitaler Herpes, Myringitis, Fibroadenom i. d. Brust, Leukopenie, Hyperthyriodismus, Dyslipidämie, Dysgeusie, Hypoästhesie, Parästhesie, Augenjucken, Sehstör., Vertigo, Palpitationen, Blutdruckfluktuation, Hämatom, Besenreiservarizen, Varizen, Epistaxis, Obstipation, Dyspepsie, gastroösophageale Refluxerkr., Hyperästhesie d. Zähne, Chloasma, Urtikaria, Arthralgie, Haematurie, Leukozyturie, Endometriumhyperpl., Beschw. i. Genitalb., Unwohlsein, Trägh., gen. Verschlecht. d. psych. Zustandes, Fibrin D Dimer erh., Blutdruck anormal, Insulinresistenztest. Nicht bekannt: Exazerbation v. Sympt. eines hereditären u. erworb. Angioödems Verschreibungspflichtig. Warnhinweis: Enthält Lactose Zul.-Inhaber: Exeltis Germany GmbH, Adalperostr. 84, 85737 Ismaning. Stand d. Information: März 2026

Quellen

Prof. Dr. med. Christoph Keck, Berlin. „Hyperandrogenämie als zentrales klinisches Merkmal des PCOS“. Vortrag im Rahmen der CME-Live-Fortbildung „PCOS Spezial“, 11. Februar 2026, sanabeo-med.education, Sanabeo Medical News

*gezeigt für Tag 1 und Tag 7 [steady state] für Cmax (kleiner) und Tmax (länger)

1) Forslund M, Melin J, Stener-Victorin E et al. International evidence-based guideline on assessment and management of PCOS-A Nordic perspective. Acta Obstet Gynecol Scand, 2024;103(1):7-12. doi: 10.1111/aogs.14725.

4) Biskupska-Bodova K, Sójka-Kupny J, Nyirády T et al. A randomised double-blind trial to determine the bleeding profile of the prolonged-release contraceptive dienogest 2mg/ethinylestradiol 0,02mg versus an immediate-release formulation of drospirenone 3mg/ethinylestradiol 0,02mg. Eur J Contracept Reprod Health Care, 2025; 30(1):3-12. doi: 10.1080/13625187.2024.2398433.

5) Lobo R, Angulo A, Muñoz A et al. Oral prolonged-release dienogest 2 mg and ethinylestradiol 0.02 mg in a 24/4-day regimen for polycystic ovary syndrome-associated hirsutism: a double-blind, randomised, placebo-controlled trial. EClinicalMedicine, 2025; 90:103594. doi: 10.1016/j.eclinm.2025.103594.