Lob tut allen gut – Warum wir im Alltag mehr Anerkennung zeigen sollten

30.03.2021
Praxismanagement

Ein motiviertes Team, das mit Freude zur Arbeit kommt, ist das starke Fundament jeder Praxis. Schließlich gilt: Je stressiger der Alltag, desto mehr Leistung und Motivation muss jede/r Einzelne zeigen, um eine gute Patientinnen-Betreuung zu gewährleisten. Allerdings ist Motivation ein zerbrechliches Gut. Und die pünktliche Überweisung der Gehälter reicht auf Dauer nicht aus, das Engagement über Jahre zu erhalten. Menschen möchten für das, was sie tun, gesehen werden – und zwar nicht erst dann, wenn Fehler aufgetreten sind.

In Deutschland leben wir in einer typischen Kritik-Kultur: Wir fokussieren uns auf Fehler und nehmen alles, was gut läuft, als selbstverständlich hin. Warum fällt uns loben so schwer? Und warum halten sich Sprüche wie „Nicht geschimpft ist Lob genug“ oder „Mich lobt ja auch niemand“ noch immer hartnäckig? Wahrscheinlich, weil vielen Ärztinnen und Ärzten der eigene Anerkennungs-Geiz nicht bewusst ist und kein böser Wille dahintersteckt. Im Alltagsstress kommt der Blick auf das Team einfach viel zu häufig zu kurz.

Die hohe Kunst der Praxisführung besteht deshalb in einer Atmosphäre mit grundsätzlich positiver Kommunikation. Loben ist ein guter Anfang, denn jedes Lob ist ein kleiner Motivationsschub. Heißt das nun, dass es hilfreich ist, jede und jeden grundsätzlich in den Himmel zu loben? Natürlich nicht. Kritik muss immer noch Raum haben und auch Fehler müssen – gerade im medizinischen Umfeld – direkt angesprochen werden.

Im Jahr 2005 haben Dr. Marcial Losada und Barbara Fredrickson zur Verteilung von Lob und Kritik eine aufschlussreiche Studie publiziert. Losada ist Professor für Psychologie an der Universität Michigan. Sein Spezialgebiet ist die Erforschung von „High performance teams“. In der Studie wurde die Kommunikation in Teammeetings in 60 Unternehmen akribisch analysiert und das Verhältnis von positiven zu negativen Wortmeldungen berechnet. Als positiv wurden Ermutigungen, Wertschätzung und Hilfsbereitschaft eingestuft. Negativ waren gegenseitige Abwertungen, Missbilligung, Sarkasmus oder Zynismus. Das Ergebnis: In Teams, bei denen das Verhältnis von positiven zu negativen Aussagen besser als 2,9013 : 1 war, blühten die Menschen auf.

In der Praxis bedeutet das, dass ein gutes Miteinander drei positive Aussagen benötigt, um eine negative Aussage aufzuwiegen. Bei einer Rate von 6 : 1 waren Teams am produktivsten. Versuchen Sie deshalb immer wieder, positive Aspekte zu betonen. Dabei reicht es jedoch nicht, ein „Gut gemacht“ zu murmeln.

Für ca. zwei Drittel der ArbeitnehmerInnen in Deutschland sind der gute Draht zum Team und zum Chef entscheidend, um mit Freude und Motivation zur Arbeit zu gehen.* In gynäkologischen Praxen hat dies noch einen weiteren Nutzen: Die positive Atmosphäre strahlt auf die Patientinnen aus. Grund genug, noch heute mit dem Loben anzufangen.

 

Richtig loben – 5 Regeln

    1. 1. Seien Sie konkret: Ein pauschales „Da muss ich Sie mal loben“ klingt erstens erzwungen und zweitens von oben herab. Loben Sie lieber für eine bestimmte Leistung („Danke für die schnelle Abrechnung“) oder auch ein Verhalten („Toll, dass Sie hier so hartnäckig hinterher waren.“)

 

    1. 2. Seien Sie glaubwürdig: Es kommt auf den Unterton an. Ihre Begeisterung sollte ehrlich und spürbar sein. Ironie hat im Lob nichts zu suchen.

 

    1. 3. Loben Sie uneingeschränkt: Schränken Sie Ihr Lob nicht durch Kritik ein. „Das war zwar gut, aber…“ wirkt eher wie eine gut eingepackte Kritik und nicht wie eine echte Anerkennung.

 

    1. 4. Loben Sie direkt: Es ist wichtig, zeitnah und persönlich zu loben. Wenn Sie sich Zeit für ein kurzes Gespräch nehmen, zeigen Sie Ihrem Gegenüber umso mehr Wertschätzung.

 

  1. 5. Seien Sie achtsam: Wie ist die Kommunikation grundsätzlich innerhalb des Teams? Sie sind das Vorbild für Ihre MitarbeiterInnen. Deshalb ist es wichtig, sich selbst immer wieder zu reflektieren.

 

 

Mit diesen Sätzen verbessern Sie die Motivation und Kultur Ihres Teams.

  1. 1. Danke!
  2. 2. Das haben Sie klasse gemacht!
  3. 3. Schön, dass Sie im Team sind.
  4. 4. Haben Sie (noch) Zeit, diese Aufgabe zu erledigen?
  5. 5. Ich vertraue Ihnen in diesem Punkt.
  6. 6. Brauchen Sie noch etwas von mir, um eigenständig zu arbeiten?
  7. 7. Das war mein Fehler.
  8. 8. Was können wir aus diesem Fehler lernen, um ihn zukünftig zu vermeiden?
  9. 9. Was/wie denken Sie darüber?
  10. 10. Nach einer Abwesenheit: Willkommen zurück. Gut, dass Sie wieder da sind.

 

Quelle:

* Quelle: https://www.manpower.de/neuigkeiten/presse/weiterleitungzu-mpg/pressemitteilungen/studie-zur-arbeitsmotivation-das-sporntdie-deutschen-an/