Unerfüllter Kinderwunsch – was kann Mann tun?

22.06.2022
Kinderwunsch

Myo-Inositol zeigt positive Effekte auf die Fruchtbarkeit von Frau und Mann

Ein anhaltender, unerfüllter Kinderwunsch kann viele Ursachen haben. Während eine Betei­ligung männlicher Faktoren in 30–40 % und nach Schätzungen der WHO sogar in bis zu 50 % der Fälle vorliegt1–3, ist in etwa 20 % der Fälle eine männliche Unfruchtbarkeit sogar der alleinige Grund für die ausbleibende Schwangerschaft4.

In einer Studie mit Daten aus den USA beschreibt die WHO, dass eine Unfruchtbarkeit bei 12 % der Männer vorliegt3,5. Bekanntermaßen nimmt die Spermienzahl im voranschreitenden männlichen Alter konstant ab6. Darüber hinaus hat eine Meta-Analyse gezeigt, dass insgesamt zwischen 1973 und 2011 die Spermienzahl um knapp 59,3 % und die Spermakonzentration um 52,4 % gesunken ist7.

Neben bekannten Ursachen wie Lebensstil, genetische Mutationen, Krankheiten oder Medikamenteneinnahme machen idiopathische Unfruchtbarkeiten noch ca. 30 % der Fälle aus3,8. In diesen Fällen ist nicht genau bekannt, was zur Einschränkung der männlichen Fertilität, der Oligoasthenoteratozoospermie (OAT), führt. Diese ist dabei durch eine Reduktion der Spermienzahl (Oligozoospermie), deren Motilität (Asthenozoospermie) und durch morphologische Veränderungen der Spermien (Teratozoospermie) charakterisiert9.

Außer Medikamenten, Hilfstechniken und operativen Eingriffen zeigen vermehrt Studien die Wirksamkeit von myo-Inositol bei der Behandlung von OAT. Sowohl die orale Einnahme von myo-Inositol als auch die Inkubation von myo-Inositol und Samenflüssigkeit verbesserte die Spermienqualität und folglich die Ergebnisse von reproduktiven Hilfstechniken9–11.

In einer doppelblinden, randomisierten Studie wurde dieser Effekt bei Männern mit idiopathischer Infertilität bestätigt. Unter oraler myo-Inositol-Einnahme kam es zu einer signifikanten Erhöhung von Spermienkonzentration, deren progressiver Motilität sowie der akrosomalen Reaktion im Vergleich zur Kontrollgruppe. Zusätzlich wurden durch die myo-Inositol-Einnahme hormonelle Marker ausbalanciert11.

Oftmals kommt myo-Inositol in Kombination mit Folsäure und Selen zum Einsatz. Folsäure kann als essenzielles Vitamin nicht selbst hergestellt werden, hat eine Funktion bei der Zellteilung und trägt zu einem normalen Blutbild sowie einer Verringerung der Müdigkeit bei. Das Spurenelement Selen kann zu einer Normalisierung der Schilddrüsen- und Immunfunktion sowie der normalen Spermabildung beitragen12.

Die Kombination dieser Nährstoffe kann die männlichen Körperfunktionen günstig beeinflussen und einen positiven Effekt auf das Eintreten spontaner Schwangerschaften haben8,12,13. Darüber hinaus belegen Studien eine positive Wirkung von oraler myo-Inositol-Einnahme auf die weibliche Fruchtbarkeit, ohne dass es zu unerwünschten Nebenwirkungen kam. Daher kann eine gleichzeitige myo-Inositol-Einnahme von Frau und Mann als gemeinsame, natürliche Initiative beider Geschlechtspartner zur Fruchtbarkeitssteigerung beitragen13, 14.

 

 

Quellen

  1. Practice Committee of the American Society for Reproductive Medicine 2015. Diagnostic evaluation of the infertile male: a committee opinion. Fertil Steril 103(3): e18-25.
  2. Thonneau P et al. 1991. Incidence and main causes of infertility in a resident population (1,850,000) of three French regions (1988-1989). Hum Reprod 6(6) 811-816.
  3. Fainberg J und Kashanian J. A. (2019). Recent advances in understanding and managing male infertility. F1000Res 8(F1000 Faculty Rev): 670.
  4. Fallara G. et al. (2021). Male factor infertility trends throughout the last 10 years: Report from a tertiary-referral academic andrology centre. Andrology 9(2): 610-617.
  5. World Health Organization (1987). Towards more objectivity in diagnosis and management of male infertility. Int J Androl 7: 1-53.
  6. Sasano N und Ichijo S (1969). Vascular patterns of the human testis with special reference to its senile changes. Tohoku J Exp Med 99(3): 269-280.
  7. Levine H. et al. (2017). Temporal trends in sperm count: a systematic review and meta-regression analysis. Hum Reprod Update 23(6): 646-659.
  8. Cavallini G. (2006). Male idiopathic oligoasthenoteratozoospermia. Asian J Androl 8(2): 143-157.
  9. Unfer V. und Facchinetti F. (2017). Editorial – Update on Inositol(s). Eur Rev Med Pharmacol Sci 21(2 Suppl): 1-3.
  10. Korosi T. et al. (2017). Physiological Intra-Cytoplasmic Sperm Injection (PICSI) outcomes after oral pretreatment and semen incubation with myo-inositol in oligoasthenoteratozoospermic men: results from a prospective, randomized controlled trial. Eur Rev Med Pharmacol Sci 21(2 Suppl). 66-72.
  11. Calogero A. E. et al. (2015). Myoinositol improves sperm parameters and serum reproductive hormones in patients with idiopathic infertility: a prospective double-blind randomized placebo-controlled study. Andrology 3: 491-495.
  12. Gebrauchsinformationen Folandrol®, Stand Dezember 2021.
  13. Vasquez-levin M. H. und Verón G. L. (2019). Myo-inositol in health and disease: its impact on semen parameters and male fertility. Andrology 8(2): 277-298
  14. Regidor P. A. und Schindler A. E. (2016). Myoinositols as a Safe and Alternative Approach in the Treatment of Infertile PCOS Women: A German Observational Study. Int J Endocrinol 2016.