Kinderwunsch-Behandlung – Höhere Erfolgsrate bei der Kinderwunsch-Behandlung durch myo-Inositol

09.04.2021
Kinderwunsch

Myo-Inositol kann bei Frauen mit PCOS die Wiederherstellung ovulatorischer Zyklen fördern und die Spermaqualität bei Männern mit OAT-Syndrom verbessern.

In Deutschland sind 32 % der Frauen und Männer im Alter zwischen 20 und 50 Jahren ungewollt kinderlos.1 Zu den möglichen Ursachen für einen unerfüllten Kinderwunsch gehören bei Frauen das polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS) und bei Männern eine Oligoasthenoteratozoospermie (OAT). Studien zeigen, dass sich in diesen Fällen eine Nahrungsergänzung mit myo-Inositol positiv auf die Fruchtbarkeit auswirken und somit bei einer Kinderwunschbehandlung unterstützend wirken kann.

Charakteristische Symptome des PCOS sind Oligo- oder Amenorrhoe, Hyperandrogenämie und das typische Ultraschallbild der polyzystischen Ovarien.2 Zudem zeigen viele Betroffene (sowohl schlanke als auch übergewichtige Frauen) eine Insulinresistenz.2 Da eine Hyperinsulinämie wesentlich zur Pathogenese der Erkrankung beiträgt, kommen unter anderem Insulin-Sensitizer wie Metformin in der Behandlung des PCOS zum Einsatz.2 Auch die Anwendung von myo-Inositol stellt in diesem Zusammenhang eine vielversprechende Option dar, wie inzwischen in einer Vielzahl an Studien belegt wurde.3 Eine prospektive randomisierte Studie konnte bspw. zeigen, dass myo-Inositol in Kombination mit Folsäure bei Wiederherstellung ovulatorischer Zyklen und Schwangerschaftsraten eine vergleichbare Wirksamkeit wie Metformin hat (Abb. 1).4 In einer anderen Untersuchung mit 3.602 unfruchtbaren PCOS-Patientinnen führte die Einnahme von zwei Mal täglich 2 g myo-Inositol plus 200 µg Folsäure über zwei bis drei Monate bei 70 Prozent der Frauen zur Wiederherstellung regelmäßiger Zyklen, wobei 545 Probandinnen schwanger wurden (Abb. 2).5 Wie auch in anderen Studien6 wurde ebenfalls ein Rückgang der Testosteronwerte beobachtet. Weitere Untersuchungen zeigten, dass die zusätzliche Gabe von α-Lactalbumin den Anteil an Frauen, die auf myo-Inositol ansprechen, erhöhen kann.7 Hirsutismus und Akne, klinische Symptome der Hyperandrogenämie wurden durch 6-monatige Anwendung von myo-Inositol ebenfalls verbessert.8 Im Bereich der assistierten reproduktiven Therapien konnte gezeigt werden, dass myo-Inositol die Eizellqualität und die Fertilisationsrate im Vergleich zu nicht behandelten Frauen signifikant verbessern8,9, und die Menge an verwendeten Gonadotropinen reduzieren kann.8,9 Die Einnahme von 2-mal täglich 2 g myo-Inositol mit 200 µg Folsäure in der Schwangerschaft verringerte bei übergewichtigen Frauen (Body-Mass-Index ≥30 kg/m2) die Inzidenz eines Gestationsdiabetes signifikant im Vergleich zu einer nicht behandelten Kontrollgruppe.10

 

Wiederherstellung von ovulatorischen Zyklen und Anteil Schwangerschaften bei PCOS-Patientinnen nach Behandlung mit myo-Inositol (n=3.602).

 

 

Verbesserte Fruchtbarkeit auch bei Männern

Bei einer OAT ist die Spermienqualität im Hinblick auf Anzahl, Beweglichkeit und Ausformung reduziert. In einer prospektiven, randomisierten Studie im Rahmen einer PICSI (Phyiologische Intra-Cytoplasmatische Spermieninjektion) führte die zweimonatige Nahrungsergänzung mit einer Mischung aus myo-Inositol mit L-Carnitin, L-Arginin, Vitamin E, Selen und Folsäure gefolgt von einer Inkubation der Spermien in myo-Inositol-angereichertem Fertilisationsmedium zu einem signifikant erhöhten Fertilisationsindex im Vergleich zur nicht behandelten Kontrollgruppe. Auch der Anteil an Embryonen mit einer „guten Qualität“ sowie die Schwangerschaftsrate waren in der behandelten Gruppe höher.11

 

 

Wiederherstellung von ovulatorischen Zyklen und Anteil Schwangerschaften bei PCOS-Patientinnen nach Behandlung mit myo-Inositol (n=3.602).

 

 

Quellen:

1) Wippermann C. Ungewollte Kinderlosigkeit 2020. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. 1. Aufl. 09/2020.

2) International evidence-based guideline for the assessment and management of polycystic ovary syndrome. 2018. ESHRE https://www.eshre.eu/Guidelines-and-Legal/Guidelines/Polycystic-Ovary-Syndrome (letzter Zugriff 27.1.2021).

3) Facchinetti et al. Inositols in Polycystic Ovary Syndrome: an overview on the advances. Trends Endocrinol Metab 2020; 31: 435-447.

4) Raffone E et al. Insulin sensitiser…. Gynecol Endocrinol 2010; 26: 275–280.

5) Regidor at al. Int J Endocrinol 2016. DOI: 10.1155/2016/9537632.

6) Unfer V et al. Myo-inositol effects in women with PCOS: a meta-analysis of randomized controlled trials. Endocr Connect. 2017; 6: 647-658.

7) Zacch. MM et al. Gynecol Endocrinol 2009; 28: 508–513.

8) Lesoine B et al. Prospective Randomized. Int J Endocrinol 2016. DOI: 10.1155/2016/4378507.

9) Facchinetti et al. Trends Endocrinol Metab 2020; 31: 570-579.

10) D’Anna R et al. Obstet Gynecol 2015; 126 (2):310-315.

11) Korosi T et al. Eur Rev Med Pharmacol Sci 2017; 21: 66–72.