Was Teams stark macht - Motivation in der gynäkologischen Praxis

04.08.2026
Praxismanagement

Motivation bindet und fördert Effizienz. Wie kann man Mitarbeiter motivieren? Und wie können MFAs sich Selbst motivieren?

Puh, schon wieder Montag... Wer zum Start in die Woche bereits das kommende Wochenende herbeisehnt, hat wahrscheinlich ein Motivationsproblem. Das Markt- & Meinungsforschungsinstitut Gallup schreibt zu diesem Thema, dass 77 % der Beschäftigten in Deutschland nur noch Dienst nach Vorschrift machen. 13 % haben innerlich gekündigt. Nur magere 10 % der Beschäftigten haben noch eine hohe Bindung an ihren Arbeitgeber – gemessen über alle Branchen hinweg.1

Was bedeuten solche Zahlen für die eigene Motivation sowie für die Leistung der Menschen am Arbeitsplatz? Sind wir ein Volk der Frustrierten? Wie schaffen wir es, dass die Menschen generell (wieder) gerne zur Arbeit kommen? Und welche Tipps gibt es speziell für gynäkologische Praxen?

Klar ist: Motivation entsteht nicht durch einen Obstkorb im Pausenraum. Sie entsteht dort, wo Menschen erleben: Ich gehöre dazu. Ich weiß, was von mir erwartet wird. Meine Arbeit zählt. Und Chef oder Chefin setzen mich für Tätigkeiten ein, in denen ich meine Stärken nutzen kann.

Wer sich wohlfühlt, ist motivierter

Menschen haben körperliche Grundbedürfnisse wie Hunger, Durst oder Schlaf. Zusätzlich gibt es auch psychologische Grundbedürfnisse. Sie machen sich nicht so direkt bemerkbar wie ein knurrender Magen oder eine trockene Kehle. Dennoch fühlen wir uns an bestimmten Orten oder mit bestimmten Menschen wohl und sicher oder eben unwohl. Das gilt auch für die Arbeit.

Unsere psychologischen Grundbedürfnisse sind Bindung, Orientierung/Kontrolle, Selbstwert sowie Lustgewinn bzw. Unlustvermeidung.2 Wenn diese vier Bedürfnisse gestillt werden, bewegen wir uns in einem Umfeld, in dem wir uns stimmig fühlen und aufblühen können. Das wirkt sich positiv auf unsere Motivation aus. Und was in der Theorie sperrig klingt, ist in der Praxis einleuchtend.

1. Bindung: Wie entsteht Verbundenheit im Team?

Verbundenheit entsteht nicht nur beim Sommerfest, sondern im Alltag. Praxisleitungen können hier psychologische Sicherheit geben, indem sie zum Beispiel in schwierigen Situationen hinter dem Team stehen, für transparente Kommunikation sorgen oder auch mal ein Ohr für private Sorgen haben.

Auch Teams untereinander können viel zum Thema Bindung tun: Wie gehen wir miteinander um? Helfen wir uns gegenseitig? Können wir uns vertrauen? Ist es möglich, Spannungen direkt anzusprechen?

Indikatoren für eine gute Bindung im Team sind diese Faktoren:

  • Man fragt nach meinem Leben.

  • Man kennt meine Schwierigkeiten.

  • Man erinnert sich an mich.

  • Man vermisst mich.

  • Man erkundigt sich nach mir.

2. Orientierung und Kontrolle: Wissen alle, was sie erwartet?

Unklare Abläufe demotivieren. Führung kann Motivation fördern, indem Aufgaben, Standards und Prioritäten sichtbar gemacht werden. Dazu gehören klare Dienstpläne, definierte Zuständigkeiten und einfache Regeln für Stresssituationen.

Beispiel: Montags ist in der Praxis besonders viel los, weil viele Schwangere zur Kontrolle kommen. Die Praxisleitung oder das Team selbst legt deshalb fest: Eine MFA bleibt bis 10 Uhr ausschließlich am Telefon, eine übernimmt Labor und Urinproben, eine bereitet die Untersuchungszimmer vor. Akutfälle werden nach einem transparenten Plan eingeschoben. So entsteht weniger Chaos.

Was kann jede MFA selbst tun? Fragen! Kontrolle heißt nicht, alles kontrollieren zu müssen. Es heißt, aktiv Klarheit einzufordern. Das verhindert Missverständnisse und gibt Sicherheit.

3. Selbstwert: Werden alle gesehen und wertgeschätzt?

In vielen Praxen fällt gute, zuverlässige Arbeit zu selten auf, Fehler dagegen sofort. Wertschätzung ist in Sachen Motivation deshalb kein weiches Extra, sondern ein entscheidender Punkt. Die Praxisleitung sollte idealerweise nicht nur das Offensichtliche sehen, sondern auch die „unsichtbare Arbeit“: die beruhigte Patientin vor der Kolposkopie, die sauber vorbereitete Vorsorge, das deeskalierte Telefonat.

Ein regelmäßiges Feedback ist wichtig, damit alle im Team wissen, ob sie auf der richtigen Spur unterwegs sind.

Ein Beispiel aus der Praxis: Eine Patientin ist nach einem auffälligen PAP-Befund stark verunsichert. Eine MFA nimmt sich einige Minuten Zeit und erklärt ruhig den weiteren Ablauf. Sie sorgt dafür, dass die Patientin nicht mit Panik nach Hause geht. In der nächsten Teambesprechung sagt die Ärztin: „Das war wichtig. Sie haben der Patientin Sicherheit gegeben.“ Das konkrete Lob wirkt stärker als ein allgemeines „Gut gemacht“ und zahlt auf den Selbstwert der Mitarbeiterin ein.

Was kann jede MFA selbst tun? Den Selbstwert nicht nur vom Lob anderer abhängig machen. Hilfreich ist ein kurzer, innerer Tagesabschluss: Was habe ich heute gut gelöst? Wo war ich professionell, obwohl es schwierig war? Auch Kolleginnen können sich gegenseitig stärken: „Deine ruhige Art am Telefon hat gerade verhindert, dass die Situation kippt. Super!“

4. Lustgewinn und Unlustvermeidung: Sind Mitarbeiterinnen passend eingesetzt?

Nicht jede MFA hat dieselben Stärken. Manche arbeiten gern strukturiert im Labor, andere sind stark am Empfang, wieder andere blühen bei Beratungsgesprächen auf. Motivation steigt, wenn Aufgaben nicht nur nach Lücke, sondern auch nach Fähigkeit verteilt werden.

Indikatoren für mehr „Lust an der Arbeit“ sind folgende Faktoren:

  • Man nutzt meine persönlichen Stärken.

  • Man fragt nach meiner Meinung.

  • Man gibt mir Verantwortung.

  • Man verlässt sich auf mich.

Organisiert sich das Team selbst, sollten Stärken und Schwächen zur Sprache kommen: Wer weiß, welche Aufgaben Energie geben und welche dauerhaft Kraft ziehen? Wie können wir das sachlich ansprechen? Zum Beispiel: „Ich merke, dass ich bei der Vorbereitung der Schwangerschaftsvorsorge sehr sicher bin. Können wir prüfen, ob ich diesen Bereich regelmäßiger übernehme?“ Selbstmotivation beginnt oft damit, die eigenen Stärken ernst zu nehmen.

Motivation ist Teamarbeit

Eine gynäkologische Praxis ist ein sensibles Arbeitsumfeld. Patientinnen kommen mit Freude, Sorgen, Scham, Schmerzen oder Angst. Damit MFAs diese emotionale Arbeit gut leisten können, brauchen sie selbst ein stabiles Arbeitsumfeld. Führung schafft dafür den Rahmen: klare Abläufe, echte Wertschätzung, faire Aufgabenverteilung und ein Teamklima, in dem man einander unterstützt. Jede MFA kann zudem selbst etwas zur Motivation beitragen: durch Klarheit, Kollegialität, Selbstreflexion und den Mut, Bedürfnisse auszusprechen.

Motivation ist deshalb weniger die Frage: „Wie bringe ich jemanden dazu, mehr zu leisten?“ Sondern eher: „Was braucht diese Mitarbeiterin, um ihre Arbeit gut, sicher und mit Sinn zu tun?“ Wer so fragt, ist bereits auf dem richtigen Weg.

5 Tipps zur Selbstmotivation

90-Sekunden-Neustart:
Nach einem schwierigen Telefonat oder Patientinnen-Kontakt bewusst Wasser trinken, Schultern lockern, einmal tief ausatmen. Dann erst die nächste Patientin aufrufen.

Faire Bilanz:
Als Material reicht ein Vokabelheft. Linke Spalte: Das lief heute nicht gut. Rechte Spalte: Das hat mir gefallen/war gut. Tägliche Notizen öffnen den Blick vor allem fürs Positive.

Aufgaben-Tausch auf Probe:
Zwei Kolleginnen tauschen für eine Stunde/einen Tag… bewusst ihre Aufgaben, etwa Telefon und Labor. Das schafft Verständnis und kann neue Stärken sichtbar machen.

„Bitte-nicht-stören“-Block:
Für konzentrierte Aufgaben wie Laborrückrufe oder Abrechnungen wird ein zeitlicher Schutzblock vereinbart, in dem nur echte Notfälle unterbrechen.

Motto des Monats:
Das Team wählt ein entlastendes Motto, zum Beispiel: „Wir arbeiten Dinge nacheinander ab, nicht alles gleichzeitig.“ Das Motto hängt sichtbar im Pausenraum.

Quellen

1) Gallup Engagement Index für Deutschland (GEID) 2025, erschienen im März 2026